Stellungnahme unseres Vorstandes zur aktuellen SARS-COV-2 Problematik am 01. April 2020

Liebe Mitglieder,

ich möchte an dieser Stelle kein großes Statement zu der nach wie vor bedrohlichen Corona-Pandemie abgeben. Vieles ist von vielen Menschen, Experten, politischen Vertretern, Medienvertretern, befähigten und weniger befähigten Zeitgenossinnen und Zeitgenossen bereits gesagt, mehrfach wiederholt und interpretiert worden.
Fakt ist jedoch, dass keiner zuverlässig, verantwortungsvoll und seriös sagen kann, wie sich das Corona-Virus weiterentwickelt, wann es wirksame Medikamente und Impfungen dagegen gibt, wann die Infektions- und leider auch Todesrate abflachen wird, geschweige denn, ab wann wieder ein einigermaßen normales Leben eintreten kann.
Genauso wenig kann verlässlich Auskunft gegeben werden, welchen Schaden wir in unseren Zuchtbetrieben nehmen und wie der gesamte wirtschaftliche Schaden in unserem Freistaat, in der Bundesrepublik, in Europa und auf der Welt sein wird.
Aber jeder von uns kann mit seinem täglichen Tun und Handeln als Einzelner darauf hinwirken, dass der zu befürchtende Schaden beherrschbar bleibt. Durch Disziplin und strikter Beachtung der politisch angeordneten Maßnahmen, die unser Rechtsstaat – Gott sei Dank – zulässt.

Derzeit ist es für uns Pferdezüchter ausgesprochen schwierig, die sonst üblichen Abläufe eines Zuchtjahres umzusetzen. Zum großen Teil fanden keine Versammlungen und Hengstpräsentationen statt, hinter geplanten Stutbuchaufnahmeterminen, Fohlenprämierungs- und Auktionsauswahlterminen sowie Leistungsprüfungen stehen große Fragezeichen und eine Prognose bezüglicher Ersatztermine gleicht einem Blick in die Glaskugel. Ungewissheit pur.
Alle Verantwortlichen des Landesverbandes beobachten täglich das Geschehen und die Berichterstattungen zu Corona, tauschen sich ständig untereinander aus, korrespondieren mit den zuständigen Ministerien, mit der AGS und mit der FN, um möglichst früh entscheiden zu können, wann unsere Zuchtarbeit und unser Zuchtalltag wieder aufleben darf.

An dieser Stelle spreche ich der Dachorganisation FN ein großes Lob für die schnelle und umfassende Unterstützung sowie die hervorragende Informationspolitik aus. Danke dafür.

Unser allergrößtes Interesse gilt dem Erhalt unser aller Gesundheit.

Gleichwohl dürfen wir die bereits jetzt erkennbaren wirtschaftlichen Auswirkungen auf unseren Verband nicht aus den Augen verlieren. Die in jedem Fall notwendigen und richtigen Ausgangsbeschränkungen bedeuten für uns, nicht belegte Boxen im Stallbereich, Wegfall von Leistungsprüfungen, keine Einnahmen aus Dienstleistungen. Im Gegenzug fallen Personalkosten und Infrastrukturkosten weiter an. Natürlich haben wir mit unserem Personal vereinbart, in dieser Zeit der Ungewissheit aufgelaufene Überstunden und Resturlaube abzubauen. Dennoch muss eine Mindestbesetzung zur Erreichbarkeit für unsere Züchter und zur Versorgung und Beritt der im Stall befindlichen Pferde gewährleistet bleiben. Dies ist eine echte Herausforderung. Es ist sehr erfreulich, dass unser Personal nach wie vor gesund ist und sehr motiviert alle zwangsläufigen Entscheidungen mitträgt. Auch hierfür ein ganz großes Dankeschön.

Problematisch ist es jedoch, wenn wir unsere ursächliche Aufgabe, nämlich Pferde zu züchten, wegen diverser Beschränkungen nicht leisten können oder dürfen. Wenn wir jetzt unsere Stuten nicht bedecken oder besamen lassen können, ist das Zuchtjahr 2021 ein verlorenes Jahr, das uns auch Auswirkungen für die Zukunft bezüglich künftiger Körungen und Stutbuchaufnahmen bescheren wird. Es fehlt dann einfach ein ganzer Jahrgang.

Insofern ist unser Bestreben, trotz der außergewöhnlichen Umstände die Deck- und Besamungsaktivitäten einigermaßen aufrecht zu erhalten. Den aktuellen Stand zum Thema Pferdezucht und den damit ggf. verbundenen Transport der Pferde, können Sie auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter den FAQ’s abrufen: http://www.stmelf.bayern.de/coronavirus [1]

Ich weise Sie, liebe Züchterinnen und Züchter, inständig darauf hin, bei allen Verrichtungen in Bezug auf die Deck- und Besamungsaktivität unbedingt alle Auflagen des Infektionsschutzes und der Hygiene einzuhalten. Kein unmittelbarer Personenkontakt, kein Händeschütteln, umfassende Händehygiene, keine Aufenthalte. Beachten Sie zuverlässig die Anweisungen der Verantwortlichen der Deck- und Besamungsstationen. Und bedenken Sie, welche Konsequenzen eine Missachtung der Schutzvorkehrungen für Sie selbst und die Betreiber eines Deck- und Besamungsbetriebes nach sich ziehen kann. Behördliche Quarantäne, empfindliche Bußgelder, Betriebsschließung.

Bei allen Problemen die uns derzeit belasten, wünsche ich Ihnen erfolgreiche Stutenbelegungen.

Der Vorstand des Landesverbandes Bayerischer Pferdezüchter e.V. hat heute entschieden alle Veranstaltungen und Zusammenkünfte bis zunächst Ende Mai sowie die Landesschauen für alle Rassen am 20./21. Juni 2020 nicht durchzuführen. Dies betrifft vor allem die Stutbuchaufnahmen für alle Rassen. Diese werden nach derzeitigem Stand im Herbst nachgeholt. Definitive Planungen können erst nach Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen erfolgen. Wir bitten um Ihr Verständnis und werden Sie umgehend informieren sobald neue Termine feststehen. Unsere Bestrebungen sind ab Anfang Juni alle geplanten Termine durchzuführen um vor allem die Fohlenvermarktung zu gewährleisten.

Ungeachtet von Corona hatten wir uns im Landesverband vorgenommen, das im letzten Jahr stark diskutierte Thema Tierschutz in 2020 mit fundierten Beiträgen in unserem Zuchtheft Blickpunkt Zucht zu bedienen. An diesem Vorhaben werden wir, soweit uns die unplanbaren Ereignisse nicht beschränken, festhalten. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Information der Bayerischen Tierschutzbeauftragten, dass in Bayern kein Transportverbot für Pferde bei Hitze vorgesehen ist.
Vorausgesetzt, die Transporte erfolgen mit der gebotenen Fürsorge für unsere Pferde und mit bedacht. Also möglichst kurze Strecken, bevorzugt in frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden, mit bedarfsorientierten Tränkepausen usw.
Also alles Dinge, die wir als tierschutzbewusste Pferdeleute ohnehin schon bedenken und machen.

Nun mein größter Wunsch an Sie, Ihre Familienangehörigen, Lebenspartner/innen und lieben Vertrauten: Bleiben Sie gesund, kommen Sie gut durch diese schlimme Zeit.

Ihr

Georg Ochs
1.Vorsitzender
Landesverband Bayerischer Pferdezüchter e.V.